Was ich behalten habe:
Art Forum
Weil so viel zu sehen war, hatte ich mich auf die Malerei beschränkt, aber behalten habe ich nach zwei Tagen nur die Fotos von Martin Eder in der Eigen+Art-Koje, was nicht nur daran liegt, daß ich sie gut finde, sondern daran, daß ich sie schon vorher kannte. Ich finde die im DIN A 4 Format aber besser und empfehle, "die Armen" bei Prestel zu koofen, denn das kann doch jeder – sogar die Armen.
Irritierend fand ich ein paar Brillo-Boxen in der einen- und Campbell(?)-Suppendosen in der anderen Koje, irgendwo habe ich auch den Namen Derrida in ein Kunstwerk integriert gesehen. Die haben sich wohl gedacht, da geben wir den Kunstvermittlern mal Stoff zum Verwursten, am besten was, was sie schon seit fünfzig Jahren kennen – funktioniert. Sieht man ja bei mir, ich hab auch nur behalten, was ich eh schon kannte. Ich glaube, irgendwo habe ich auch eine Videoprojektion mit einem Magritte-Melonenman-von-hinten gesehen, auch wenn ich es nicht glauben mochte.
Ein bißchen taten mir die Doofen leid, die diese Auf- und Abgüsse kaufen, die Künstler aber auch, die armen. Denn auch wenn ein Volksabgerglaube besagt, das alles sei "Verarsche", quält sich doch ein jeder Künstler mit seinen mglw. noch so blöden Werken und dem ganzen Kram ziemlich rum, soviel ich weiß. Daher sollte man den Werken mit so viel Liebe und Wohlwollen gegenübertreten wie möglich. Wenn ein Werk clever scheinen will, denke ich allerdings immer, daß ich stattdessen lieber ein Buch lesen würde, in dem die cleveren Gedanken hintereinander zum Nachvollzug angeordnet sind. Bei einem Buch entsteht das Werk ja im Kopf des Betrachters! Der Betrachter ist der eigentliche Autor des Buches! Ein Buch spielt mit dem Konzept der Autorenschaft!
Was ich vom Art-Forum außerdem behalten habe, sind die Galgenmodelle von Sam Durant in der Praz-Delavallade-Koje. Ich mochte immer sauber ausgeführte Architekturmodelle und die Galgen sind solche. Ich stelle mir bei Kunstwerken immer den Produzenten vor. Die Vorstellung, wie da einer sitzt und kleine Galgen baut, hat mich gerührt. Überhaupt bin ich rührselig und sentimental und möchte in diesen Eigenschaften von der Kunst bestärkt und bestätigt werden. Von Büchern erwarte ich das nicht, obwohl doch die schöne Literatur dafür da ist. Vermutlich lese ich deswegen lieber Sachbücher.
Preview
Die Vorschau und Vorstufe zum Art-Forum ist die Preview, was man daran erkennen kann, daß sie auch in einem Nazi-Bau untergebracht ist - allerdings nicht wie das Art-Forum in den zentralen Hallen sondern eher etwas randständig, als würde sie warten, bis sie rinjelassen wird. Man ist augenscheinlich um Seriosität bemüht, was wie ich fürchte der Grund dafür ist, daß ich so gut wie nichts behalten habe, oder halt doch: Dänemark mischt kräftig mit, oder war das auf dem Art-Forum? Wie auch immer, die freundlichste Kojenbesatzung hatte die Galerie Römerapotheke aus der Schweiz, es wurde Schokolade gereicht, auch der Name gefällt mir. Ach so: in der Nachbarschaft der Römerapotheke ist mir ein etwa 50 x 60 cm großes schwarz gerahmtes Passepartout aufgefallen in dem ein ca. 5 x 10mm großes Video in Endlosschleife zu sehen war, es sah irgendwie aus, als würde jemand Hoden und Penis hervorkramen.
Kunstsalon
In Edmund Pipers Kunstsalon wird dagegen nicht so gekleckert, sondern geklotzt. Dödel und Klöten gibt es dort en masse. "So Body und Genderzeug" hat das mal einer genannt. Mir fiel auf, daß ich die Porn- und Trashattitüde genauso prätentiös-öde finde, wie die Bezugnahme auf Kunstgeschichte und Postmoderne in der Schlaumeierkunst. Im Kunstsalon kann man aber auch jede Menge anderen Kram sehen, den ich jedoch vergessen habe. Vielleicht liegt das an der Unübersichtlichkeit des Austragungsortes, ein neogotisch-moderner Backsteinbau der 20er. Im letzten Jahr war es das neosachlich-moderne Backsteinensemble der BVG im Wedding. Eines muß man ihm lassen: der Kunstsalon hat die beste umgebende Architektur und den geilsten Katalog.
Das wars vom Kunstherbst 2008 in Berlin. Bleibt nur noch ein letztes zu sagen: Art is also a friend of mine. Mexican Guy. Nice Guy.
Nachtrag:
Wo grade Thomas Demand im Radio war: Das Konzept, Sachen, die aus einem anderen Material als in Echt nachgebaut wurden, finde ich am überzeugendsten in der Reihe die Wirklichkeit, in Fleisch nachempfunden verwirklicht.
Weil so viel zu sehen war, hatte ich mich auf die Malerei beschränkt, aber behalten habe ich nach zwei Tagen nur die Fotos von Martin Eder in der Eigen+Art-Koje, was nicht nur daran liegt, daß ich sie gut finde, sondern daran, daß ich sie schon vorher kannte. Ich finde die im DIN A 4 Format aber besser und empfehle, "die Armen" bei Prestel zu koofen, denn das kann doch jeder – sogar die Armen.
Irritierend fand ich ein paar Brillo-Boxen in der einen- und Campbell(?)-Suppendosen in der anderen Koje, irgendwo habe ich auch den Namen Derrida in ein Kunstwerk integriert gesehen. Die haben sich wohl gedacht, da geben wir den Kunstvermittlern mal Stoff zum Verwursten, am besten was, was sie schon seit fünfzig Jahren kennen – funktioniert. Sieht man ja bei mir, ich hab auch nur behalten, was ich eh schon kannte. Ich glaube, irgendwo habe ich auch eine Videoprojektion mit einem Magritte-Melonenman-von-hinten gesehen, auch wenn ich es nicht glauben mochte.
Ein bißchen taten mir die Doofen leid, die diese Auf- und Abgüsse kaufen, die Künstler aber auch, die armen. Denn auch wenn ein Volksabgerglaube besagt, das alles sei "Verarsche", quält sich doch ein jeder Künstler mit seinen mglw. noch so blöden Werken und dem ganzen Kram ziemlich rum, soviel ich weiß. Daher sollte man den Werken mit so viel Liebe und Wohlwollen gegenübertreten wie möglich. Wenn ein Werk clever scheinen will, denke ich allerdings immer, daß ich stattdessen lieber ein Buch lesen würde, in dem die cleveren Gedanken hintereinander zum Nachvollzug angeordnet sind. Bei einem Buch entsteht das Werk ja im Kopf des Betrachters! Der Betrachter ist der eigentliche Autor des Buches! Ein Buch spielt mit dem Konzept der Autorenschaft!
Was ich vom Art-Forum außerdem behalten habe, sind die Galgenmodelle von Sam Durant in der Praz-Delavallade-Koje. Ich mochte immer sauber ausgeführte Architekturmodelle und die Galgen sind solche. Ich stelle mir bei Kunstwerken immer den Produzenten vor. Die Vorstellung, wie da einer sitzt und kleine Galgen baut, hat mich gerührt. Überhaupt bin ich rührselig und sentimental und möchte in diesen Eigenschaften von der Kunst bestärkt und bestätigt werden. Von Büchern erwarte ich das nicht, obwohl doch die schöne Literatur dafür da ist. Vermutlich lese ich deswegen lieber Sachbücher.
Preview
Die Vorschau und Vorstufe zum Art-Forum ist die Preview, was man daran erkennen kann, daß sie auch in einem Nazi-Bau untergebracht ist - allerdings nicht wie das Art-Forum in den zentralen Hallen sondern eher etwas randständig, als würde sie warten, bis sie rinjelassen wird. Man ist augenscheinlich um Seriosität bemüht, was wie ich fürchte der Grund dafür ist, daß ich so gut wie nichts behalten habe, oder halt doch: Dänemark mischt kräftig mit, oder war das auf dem Art-Forum? Wie auch immer, die freundlichste Kojenbesatzung hatte die Galerie Römerapotheke aus der Schweiz, es wurde Schokolade gereicht, auch der Name gefällt mir. Ach so: in der Nachbarschaft der Römerapotheke ist mir ein etwa 50 x 60 cm großes schwarz gerahmtes Passepartout aufgefallen in dem ein ca. 5 x 10mm großes Video in Endlosschleife zu sehen war, es sah irgendwie aus, als würde jemand Hoden und Penis hervorkramen.
Kunstsalon
In Edmund Pipers Kunstsalon wird dagegen nicht so gekleckert, sondern geklotzt. Dödel und Klöten gibt es dort en masse. "So Body und Genderzeug" hat das mal einer genannt. Mir fiel auf, daß ich die Porn- und Trashattitüde genauso prätentiös-öde finde, wie die Bezugnahme auf Kunstgeschichte und Postmoderne in der Schlaumeierkunst. Im Kunstsalon kann man aber auch jede Menge anderen Kram sehen, den ich jedoch vergessen habe. Vielleicht liegt das an der Unübersichtlichkeit des Austragungsortes, ein neogotisch-moderner Backsteinbau der 20er. Im letzten Jahr war es das neosachlich-moderne Backsteinensemble der BVG im Wedding. Eines muß man ihm lassen: der Kunstsalon hat die beste umgebende Architektur und den geilsten Katalog.
Das wars vom Kunstherbst 2008 in Berlin. Bleibt nur noch ein letztes zu sagen: Art is also a friend of mine. Mexican Guy. Nice Guy.
Nachtrag:
Wo grade Thomas Demand im Radio war: Das Konzept, Sachen, die aus einem anderen Material als in Echt nachgebaut wurden, finde ich am überzeugendsten in der Reihe die Wirklichkeit, in Fleisch nachempfunden verwirklicht.
pjaer - 3. Nov, 13:20

(Ja, der Gendarmenmarkt, der hat internationales Flair...)
!!!!!!!
(und Sie? heute auch schon rumgeschrien? *LIEBGUCK*)