Es muß ihn geben, denn die Geschlechter waren vor der Zeit noch eins

Gerade habe ich mir aus Versehen herzhaft in meine Zunge gebissen. Ich wollte einen Bissen des gummiartigen Brötchens von heute morgen vollends zerkleinern, allein ich traf mit meinen Zähnen nicht ihn - nur meine Zunge. Es hat geknackt, aber ich habe sie nicht durchgekriegt, kein Wunder, war ja auch ganz roh, meine Zunge, völlig ungar.

Mein Dad fiel mir ein, mein Daddy, den ich nie hatte, der Daddy mit seinem ewigen "Du mußt dich durchbeißen, Junge" - und wieder war es mir nicht gelungen, nichtmal bei meiner eigenen Zunge.

Ich dachte an Monika Harms, die ich nie kennengelernt habe, die Monika Harms mit ihren fettigen Haaren. Die hat sich auf jeden Fall durchgebissen, die hat sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, die hat sich wahrscheinlich gedacht: "Deine ganze Niedlichkeit, die ganze, die du je besessen, die kannste dir in die Haare schmieren, wenn du was werden willst". Und so ist es dann auch gekommen, ihre Niedlichkeit befindet sich in ihren Haaren, an dem Ort, wo Niedlichkeit hingehört, wenn man eines der hartgesottensten Ämter der Republik bekleidet, wenn man kein Kind mehr ist, wenn aus dem Mädel etwas werden soll.

Und doch sieht sie immer noch so aus: wie ein Mädel. Sie sieht sogar aus wie mein Inbegriff eines Mädels. Nicht wie ein junges Mädel, nein, nicht wie ein niedliches Mädel, schon gar nicht, aber, so will mir itzund scheinen, wie ein profundes Generalbundesmädel.

Doch nun fort, ihr Nachtgedanken! Meine Zunge will ich kühlen und meine rauhe Kehle netzen und mich auf Wanderschaft begeben, zu suchen und wenn ich ihn gefunden, zu künden von der Frisur des Oberbundesbubi, dessen, dem das Bundesmädel meiner Schädelschale vor aller Zeit versprochen ward.
erasmus von meppen - 16. Nov, 10:15

So sieht Monika Harms ohne Perücke aus.

pjaer - 17. Nov, 11:26

sehr fein beobachtet

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